Der erste selbstgerührte Drink

Nach einigen Tag Ruhe in diesem Blog, die für den Autor teilweise sehr ruhig in St. Peter Ording und teilweise nicht so ruhig im Löwen waren, geht es jetzt weiter. Das letzte Wochenende mit Kappes und *ding* Bornhöft war ein sehr lustiges und fand einen entspannten Ausklang in Erikas Eck am Sonntagmorgen um 6 Uhr. Da sind wir nach der Arbeit noch hingefahren, um ein schönes Schnitzel zu essen und ein Bier zu trinken. Le Lion Style. Erikas Eck, für die nicht Hamburger, ist eine Institution in der Hansestadt, die von 17 Uhr bis 14 Uhr geöffnet hat und die ganze Zeit sehr leckere Schnitzel und weiteres Essen serviert. Das Publikum, welches dort verkehrt ist eine bunte Mischung aus der Bevölkerung mit einem Schwerpunkt auf das Nachtleben.

Bevor ich in der Gastro angefangen habe, konnte ich mir nicht vorstellen, wie man dort miteinander spricht. Schon in der Orientierbar war ich erstaunt über den derben Tonfall, der dort herrscht und auch im Löwen ist es nicht anders. Keine Zote wird ausgelassen, kein Witz auf Kosten der Kollegen verschwiegen und das was hinten gesprochen wird, möchte wirklich keiner hören. Man steht in der Küche, poliert mal wieder Gläser (was einer der Haupttätigkeiten des Commis ist), da kommt Kappes rein und erzählt kurz was ihm gerade eingefallen ist, verliert vor Lachen fast die Fassung, hat sich Sekunden später wieder im Griff und ist der galante Barkeeper, den alle so schätzen. Der Commis bleibt mit offenem Mund in der Küche zurück. Hier kann man noch was lernen!

Am letzten Wochenende weilte Herr Meyer in Warschau, um dort zu entspannen an der Barshow teilzunehmen und einen Vortrag zu halten. Deswegen haben Herr Kappes, Herr *ding* Bornhöft und ich die Bar bespielt. Es lief richtig gut, denn nach kurzem einspielen, haben *ding* Bornhöft und ich den Gastraum abgestimmt aufeinander übernommen, während Mario hinter der Bar Drinks gezaubert hat. Wir haben die Gäste rein gelassen, begrüßt, die Garderobe abgenommen, platziert und gleich mit Wasser versorgt. Alles lief nach einer kleiner Choreographie ab, nur durch kurze *dings* unterbrochen wurde. Was man als Gast allerDINGs nicht mitbekommen, sind diese kurzen verbalen Ticks, die der Kollege *ding* Bornhöft einem im Vorbeigehen beDINGt bewusst zuraunt. Als Gast denkt man, dass diese Kasse aber viele Geräusche macht, was nicht stimmt, außer man bedient sie falsch (das passiert mir nur noch selten), denn das *ding* kommt unbeDINGt aus anderer Quelle…und dabei sollte man dann natürlich ernst bleiben.

Den Dienstag – für mich fühlt der sich nach Montag an, weil es der erste Tag der Woche ist – bestritten Bornhöft und ich fast alleine. Mario war in Belfast und kam erst abends zurück und Herr Meyer weilte noch in Warschau. Wir trafen uns extra früh, damit wir auch nichts vergessen beim Mis en Place. Also Zitronen pressen, Foodstation aufbauen, wirklich viel Müll weg bringen, Eis holen. Nachdem wir damit fertig waren, sind wir bei Jim Block etwas essen gegangen. *ding* beschrieb es so: Das ist wie McDonals nur lecker und mit echtem Geschirr. Das stimmt. Sehr leckere Burger und ne Coke im Glas. Warum gibt es das nicht in Frankfurt? Im Löwen lief es langsam an und wurde dann immer voller und auch stressiger. Torben *ding* war hinter der Bar mit rühren und shaken beschäftigt, während ich den Gastraum (Floor) übernahm. So langsam merke ich, dass mir die ganzen Abläufe immer gewohnter werden und auch mit der Kasse freunde ich mich so langsam an. Wir beiden werden wohl keine Freunde, aber versteht meine Sprache. Wieso muss ich ihr nur immer alles so genau sagen? Wenn ich hinkomme und „20“ eintippen, dann möchte ich den Tisch auswählen – was denn sonst. Computer sind manchmal echt doof. Später kam Mario dann direkt vom Flughafen in die Bar und unterstützte uns die letzten 3 Stunden und machte am Ende die Abrechnung. Wir haben das sehr gut gemacht, wie Mario am Ende mehrfach betonen musste.

Am Ende der Donnerstagsschicht, die ich mit Mario und Jörg bestritt, habe ich mir meinen ersten eigenen Drink hinter heiligen Bar des Löwen gerührt. Zum Feierabend gönnte ich mir einen Green Point, eine Manhattan Variante, den wir zu Hause immer nur Kappes –Manhattan nennen, weil er es war, der uns diesen Drink zum ersten Mal gemacht hat.

Green Point

6 cl Rye
2 cl Punt e Mes
2 cl gelber Chartreuse
Je ein Dash Orange und Angostura Bitter

Ein sehr toller Drink eine tolle Möglichkeit den Feierabend einzuläuten.

Musik der Wahl: Meatloaf – Bat out of Hell

Funktionieren

Nach der schon beschriebenen sehr ruhigen, mich aber doch stressenden Wocheneröffnung, ging es am nächsten Tag richtig los. Es war richtig viel los und nach dem ersten Rush kam noch eine zweite Runde Gäste, die nicht vor 3 Uhr nach Hause gingen. In der Nähe fand ein chinesisches Freundschaftsfest statt und von dort kamen wohl einige Gäste noch in die Bar.

Während ich am Vortag bei wenigen Gästen mich total im Stress fühlte, war es diesmal so voll, dass ich nicht darüber nachdenken konnte, ob ich jetzt im Stress bin oder nicht. Ich musste einfach funktionieren. Durch die am Vortag erlernte Struktur in der Küche konnte dort eine gewisse übersichtliche Unordnung behalten werden, die dafür sorgte, dass immer genug Platz war, leere Gläser abzustellen und sie dann spät nachts zu spülen und zu polieren.

Wir schafften an diesem Abend so viele Getränke zu verkaufen, wie sonst nur an einem durchschnittlichen Wochenendtag. Mein persönliches Stressgefühl hielt sich zum Glück in Grenzen, auch wenn es natürlich spannend ist, wenn man weiß, dass noch Reservierungen ausstehen und immer neue Gäste klingeln, die Einlass begehren. So rechnet man im Kopf immer die noch freien Plätze gegen die Personen, die vor der Tür stehen und überlegt, wie man jetzt die Gäste an den Tischen vielleicht ein bisschen nach rechts rutschen lässt, um dann noch die drei vor der Tür dort sitzen zu lassen. Und als man dann dachte alles gut gelöst zu haben, steht dann doch eine Reservierung vor der Tür, von der man dachte, sie würde nicht mehr kommen. Aber wir haben alle setzen und mit leckeren Drinks von Herrn Kappes versorgen können.

Nach einer so harten Schicht zieht sich das Spülen und Aufräumen, Putzen und Auffüllen natürlich hin. Zum Glück hatten wir eine tolle Aussicht für den Feierabend. Marco Beier vom Barzirkel München, der im Padres arbeitet, hatte auf Jörg Meyers Facebook – Seite das hier gezeigte Foto von mir gesehen. Über einen seiner Stammgäste, der auch Gast im Löwen ist, ließ er zu Dienstbeginn original Münchner Fleischpflanzerl in den Löwen bringen. Nachdem also alles wieder sauber war, genossen wir diese zusammen mit unserem Feierabendbier. Was ein wunderbarer Weg den Tag zu beenden. Um 6 Uhr morgens war ich dann zu Hause. Meine bisher längste Schicht im Löwen.

Die nächsten Tage werden wir wieder zu dritt sein. Torben „DING“ Bonhöft wird uns unterstützen und das Arbeiten hoffentlich einen Hauch entspannter machen. Davon werde ich im nächsten Artikel berichten. Wie immer freue ich mich über Kommentare oder Fragen, über die Arbeit im Löwen. Einige Dinge werden aber für immer geheim bleiben, außer man bewirbt sich selbst für die Stelle des Commis.

Musik im Hintergrund heute: Gentleman – Confidence

Stress

Die nächste Woche ist angebrochen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in heimischen Gefilden, bin ich zurück in der Hansestadt und stürze mich direkt nach der Ankunft in die Arbeit im Löwen. Dankenswerterweise hatte Mario das Mis en Place schon übernommen und so musste ich nur noch flink im gegenüberliegenden Café Paris frisch gebackene Baguettes holen, die für die Kanapees verwendet werden. Eine schöne Situation immer wieder. Man kommt schön schick angezogen ins Café, läuft nach hinten, um den Laden nur kurze Zeit später mit ein paar Baguettes unterm Arm, die noch warm sind, zu verlassen. Gäste, denen dies auffällt, schauen schon etwas irritiert.

Zurück im Löwen wies mir Herr Kappes meine Aufgaben für diesen Tag zu: „Du machst Tür, Floor und Küche und ich mache Drinks!“ Oha, das heißt übersetzt, dass ich die Gäste begrüße, die Garderobe weghänge, Wasser bringe, Bestellungen aufnehmen, Drinks bringe, Wasser nachschenke, neue Drinks bringe, abräume, spüle, Kanapees mache. Schon allein der Gedanke daran setzte mich leicht unter Stress. Aber zum Glück fing es langsam an und die ersten Gäste kamen herein. Ganz locker anfangen, das wird schon. Dann kam gleich eine Vierergruppe rein und schon waren 6 Gäste da und später dann nochmal 2. Es war so voll – ich war wie unter Strom.

Hierhin laufen, da platzieren, dann Wasser, nach der Karte fragen, Drinks bringen. Gleichzeitig die Küche in Ordnung halten, 12 Kanapees machen und die benutzten Shaker und Rührgläser von Mario wegspülen. Objektiv betrachtet wirklich nicht viel, aber mich hat das schon gestresst. Mario hat mir dann mal in einer ruhigen Minute, die wir genug hatten, ich aber nicht wahrnehmen konnte, ein paar Tricks und Tipps zur eigenen Organisation gezeigt und schon mit diesen wenigen Handgriffen ging es viel leichter und einfacher die Übersicht zu behalten und vor allem die Küche in Ordnung zu halten, bzw. die Unordnung einfach in geordnete Bahnen laufen zu lassen.

Langsam stellte sich Entspannung ein. Die Gäste im Löwen sind sehr entspannt und außerordentlich freundlich. Sie freuen sich über die angebotene Hilfe und bestellen gern den einen oder anderen Drink und lassen sich auch gern beraten. Ich muss mich wohl noch ein bisschen eingewöhnen, dann wird mir vieles viel leichter fallen und ich auch entspannt durch den Löwen laufen, ohne, dass Herr Kappes hinter dem Tresen lachen muss, weil Du total verkrampft und steif da rumtanzt. Bloß, weil ich gerade stehe, wenn ich mich im Gastraum bewege und nicht eine der Schwerkraft folgende entspannte Haltung einnehme…

Leider verließen uns die letzten Gäste schon sehr früh (noch vor halb 2 Uhr war es wieder leer im Löwen), aber so konnten wir schon langsam mit dem Abbau, spülen und Eis auffüllen beginnen. Da genug Zeit war, konnten wir auch schon das komplette Mis en Place für den nächsten Tag machen und uns so etwas Zeit kaufen, die wir entspannter später kommen konnten. Zitronen pressen, Müll wegbringen, Küche aufbauen, Früchte an die Bar räumen und die Eiswannen füllen und schon ist das Le Lion wieder einsatzfähig. Aber selbst wenn so früh nichts mehr los ist, bis 3 Uhr sieht es für neu eintreffende Gäste immer so aus, als sei alles bereit für sie Drinks zu machen und man bemerkt nichts, dass schon so langsam der Feierabend eingeläutet wird.

Der Feierabenddrink war an diesem Abend nicht das sonst übliche Bier, sondern für mich aus einigen Tropfen eines fantastischen Rums. Als großer Freund des Zacapa XO und 23 überwältigte mich der Zaya geradezu. So voll und komplex im Geschmack – es war eine Freude die Zunge damit zu benetzen. Herr Kappes sagte sehr treffend: Das ist fast wie ein Old Fashioned in der Flasche. Wer zufällig mal eine Hand an eine solche Flasche bekommen sollte, der greife zu und bringe mir am Besten auch gleich eine mit. Leider wird der zurzeit nicht in Deutschland verkauft.

Musik beim Tippen: Eric Burdon & Brian Auger Band – Access All Areas/Live

Die erste Woche geht zu Ende

Wenn dieser Artikel erscheint bin ich auf dem Weg zur Samstagsschicht im Löwen. So viel ist passiert in der ersten Woche. Der Kopf ist voll von grandiosen Erinnerungen und vielen lustigen Episoden, von denen ich versuche hier ein paar wiederzugeben. Manche Dinge sind einfach zu gut, als dass sie hier öffentlich werden können – leider.

Im letzten Beitrag hatte ich ja schon vom Zitronen pressen gesprochen geschrieben. Herr Meyer hat davon ein Foto gemacht und es ins Facebook eingestellt. Dass darauf einige Kommentare folgten, war natürlich klar und meine Haupttätigkeit in den folgenden Tagen bestand natürlich daraus Zitronen zu falten pressen… Am Freitagabend – ich arbeitete zum ersten Mal mit Herrn Kappes und Herrn Meyer zusammen – klingelte es an der Tür und es war an mir zu öffnen. Davor stand eine Gruppe von Gästen und der zuvorderst stehende Herr begrüßte mich mit den Worten: „Ich kenne Sie, Sie sind doch der, der die Zitronen falsch presst!“

Wer schon einmal Gast im Le Lion war, der weiß, dass man klingeln muss, damit einem Einlass gewährt wird. Sitzt man drinnen bei einem der fantastischen Cocktails, die Herr Kappes rührt, shaked und swizzelt (Also ich brauch keinen Swizzelstick, das kann mein Shaker auch!), bemerkt man nicht, woher die Crew weiß, dass jemand vor der Tür steht. Hier nur das Geheimnis: Es gibt einige versteckte rote Lichter, die leuchten, wenn der Knopf gedrückt wurde. Es bringt übrigens nichts, wenn man Sturm klingelt oder den Knopf wiederholend malträtiert. Das Licht geht einmal an und bleibt an. Nicht ganz so versteckt ist das Licht in der Küche. Plötzlich leuchtet die gerade angerichtete Käseauswahl in schönstem rot. Das ist der Moment, an dem ich in Absprache mit den Herren einen kurzen Sprint zur Tür einlege oder unbeeindruckt weitermache.

Sitzt man dann am Tresen und spricht mit dem Bartender, schaut dieser manchmal zur Seite nach unten. Das liegt nicht daran, dass ihn das Gesprächsthema total langweilt und er kurz einnickt, sondern daran, dass sich genau dort ein kleiner Monitor befindet auf dem das Bild der Kamera gezeigt wird, die sich draußen über der Tür befindet. Dort kann man sehen, wenn sich Gäste nähern, oder Neugierige einmal das Klingelschild anschauen wollen oder den Löwen anfassen betrachten. Eines Abends konnte Herr Kappes den Blick gar nicht von dem Monitor lassen und bat mich dann kurz vor die Tür zu gehen und der Maus da Bescheid zu geben, dass sie bitte woanders hingehen sollte. Gleich würden nämlich Gäste den Laden verlassen und das wäre doch etwas unpassend. Ich stellte mich auf eine mäßig angenehme verbale Kommunikation ein und ging zur Tür, öffnete sie und niemand war zu sehen. Hat er mich jetzt auf den Arm genommen? (Aber so etwas würde der sehr ernste und seriöse Herr Kappes doch nie tun!) Ist sie von alleine gegangen? Nachdem die Gäste also den Laden verlassen hatten, zeigte er mir auf dem Monitorbild, was er gesehen hatte. Die Maus hatte behaarte Beine und gleich vier davon. Sie hatte wohl gehört, dass es hier gute Drinks und tollen Käse gibt.

Ist ein Abend im Löwen am Ende. Wenn also alles geputzt und aufgefüllt ist für den nächsten Tag, ist es Zeit für ein Feierabendgetränk. In einer solch tollen Bar würde das bestimmt ein wunderbarer ganz feiner Drink sein, der erst in Monaten auf die Karte käme hier schon mal vorverkostet würde, dachte ich mir vorher. Nein! Zum Feierabend trinken wir ein Bier und auf wenig anderes habe ich dann auch Lust. Ok, am ersten Abend war es ein Schluck Sipsmith Gin pur und als Gin & Tonic, aber seitdem – ein kühles Bierchen in einem vorgefrostetem Glas. Sehr lecker und man kann noch ein bisschen plaudern und den Abend ausklingen lassen. Das Beste am Feierabend ist, wie auch schon in der Orientierbar: Die Musik ist aus. :-)

Noch so viel mehr gibt es aus den heiligen Hallen zu berichten, weswegen in den nächsten Tagen an dieser Stelle ein weiterer Eintrag erscheinen wird. Wer aber alle kleinen Details erleben möchte, muss wohl Herrn Meyer eine Email schicken und sich selbst bewerben.

Was wollte Ihr hier lesen? Gibt es Fragen, die Euch auf den Nägeln brennen und ich unbedingt mal beantworten? Schreibt es in die Kommentare oder mir einfach eine Email. Ich versuche dann darauf einzugehen.

Bis dahin freue ich mich dem einen oder anderen Leser gern mal die Tür im Löwen zu öffnen, wenn ich nicht gerade Käseauswahl mache oder Zitronen korrekt presse.

Musik beim Schreiben heute: Pink Floyd – Dark Side of the Moon

Die erste Nacht im Löwen

Genug Vorgeschichte, jetzt geht es endlich los mit den geheimen Geschichten aus dem Löwen. Herr Meyer hatte mir gedroht, dass dadurch, dass ich hinter die Kulissen des Löwen schauen würde, ein bisschen der Zauber verschwinden würde, denn dahinter sei es nicht so wie vorne.

Als ich um 18Uhr angekommen bin, war Mario Kappes schon da und öffnete mir nach kurzem Klingeln die Tür. Drinnen war das Le Lion im Putzlicht und sah … so aus wie immer. Bei genauem Hinsehen fiel mir auf, dass es heller war als sonst. Aber was ganz anders war ist, dass Herr Kappes keinen Anzug trug sondern Jeans und T-Shirt. Und ich dachte, dass er sogar im Anzug schlafen würde :-)

Das Mis en Place war schon fast fertig und so hatten wir Zeit, dass er mich dahinter herumführen konnte. Als erstes sind wir in die geheimen Katakomben hinabgestiegen und haben den Vorratskeller angesehen. Le Lion Style, zwar keine Tapeten an den Wänden und auch der Teppichboden fehlt, aber sehr aufgeräumt und wirklich gut sortiert. So sollte es mal bei mir zu Hause aussehen. Die Befürchtung, dass irgendjemand das Le Lion leer trinken könnte, hat Mario gut wiederlegen können. Der für mich prall gefüllte Alkoholvorrat sei fast leer und über den Sommer deutlich ausgedünnt. So nennt man das also, wenn so viel Gin da ist, dass Herr Meyer fast darin baden könnte. Wer weiß – vielleicht macht er das?

Nach einem kurzen Rundgang durch die Küche, in der ich einen Teil des Abends verbringen würde, erschien Jörg Meyer im Laden und wir wurden vor Dienstbeginn zum Abendessen eingeladen. Zurück im Löwen, durfte ich im Keller erst einmal die leeren Flaschen sortieren. Cola zu Cola und Perrier zu Perrier – sehr gut, das bekomm ich schonmal hin. Umziehen und dann ging es oben los.

Im Anzug arbeiten ist schon etwas Feines. Mir geht es jedenfalls so, dass ich gleich etwas gerade stehe und alles hat eine gewisse Eleganz. Im Anzug Zitronen zu pressen, ist hingegen nicht ganz so praktisch. Nachdem ich einige gepresst hatte, kam Herr Meyer in die Küche und erklärte mir, dass ich die Zitronen falsch pressen würde. Die Zitronen falsch pressen? Ich hatte sie weder falsch rum eingelegt noch den Saft auf die Arbeitsplatte laufen lassen. Torben Bornhöft, der mittlerweile auch erschienen war und in zivil meinen ersten Abend erleben wollte, lachte sich kaputt, weil er wohl wusste, was jetzt kommen würde. Es folgte ein gefühlt dreistündiger Vortrag, dass man Zitronen nicht zu fest pressen dürfte, weil sonst die bitteren Öle aus der Schale im Saft landen würden und das möchte man ja nicht. Meyer schrieb dazu einen Beitrag in seinem Blog.

Die ersten Gäste trafen ein und Torben erklärte mir die Abläufe in der Küche und in der Bar im Allgemeinen, Brot holen nebenan im Cafe de Paris inklusive. Mit mal eben in Zivil zurücklehnen und schauen, wie die anderen aufgeregt umherlaufen wurde es nichts. Denn kurze Zeit später kam die erste Bestellung für eine „Käseauswahl“ rein. Also 2 Teller nehmen, Schälchen drauf, Käse auf den einen und Preiselbeeren und Feigensenf in die Schälchen, Brot dazu, Obst dazu (wo sind eigentlich die Weintrauben?) und raus damit. Servieren an den Tisch da hinten in der Ecke (die Tischnummern erklär ich Dir später). Es sprach sich wohl rum, dass die Käseauswahl sehr gut sei, denn wir durften noch weitere machen und dazu noch einige „Häppchen“. Am nächsten Tag sollte ich den Spitznamen Cheesebert erhalten.

Shaker und Strainer hinter der Bar abholen und Spülen, dann alles wieder zurück bringen, so ging es weiter. Irgendwie war es schon etwas stressig für mich und ich war sehr froh, dass Torben da war und ich ihn fragen konnte. Später habe ich dann auch den Gästen die Tür geöffnet und versucht sie zu platzieren und das erste Wasser gebracht. Dass man dabei direkt nach dem ersten Drinks fragt oder die Karte anbietet, wurde mir glücklicherweise auch gleich erklärt. So oft war ich dann doch noch nicht im Löwen, dass ich das schon wusste.

Die erste Bestellung, die ich entgegennehmen durfte waren zwei Prince of Wales Cocktails. Langsam wurde ich routinierte, schenkte Wasser aus und räumte auch die Tische ab, wenn ich das nicht übersah und Herr Kappes mich freundlich darauf aufmerksam machte, ob ich nicht auch Tisch 30 mal leerräumen möchte.

Einen Gast, der mehrfach zum Rauchen draußen gewesen war begrüßte ich jedes Mal, als wäre er neu gekommen. Zum Glück nahm er es mir nicht übel, schien aber etwas belustigt. Ja, ich habe es dann auch gemerkt… Am Ende des Abends hatte sich in der Küche eine ordentliche Menge Gläser gesammelt, die alle gespült und poliert werden wollten und in meinem Kopf sammelte sich eine erkältungsbedingte Migräne. Keine gute Kombination. So habe ich mich langsam und gemächlich durch alles Geschirr gekämpft und am Ende sah die Küche wieder sehr schön aus.

So ging der erste Abend im Löwen zu Ende und ich war sehr froh und erschöpft, spät am Abend zu Hause in mein Bett zu fallen und zu schlafen.