Stress

Die nächste Woche ist angebrochen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in heimischen Gefilden, bin ich zurück in der Hansestadt und stürze mich direkt nach der Ankunft in die Arbeit im Löwen. Dankenswerterweise hatte Mario das Mis en Place schon übernommen und so musste ich nur noch flink im gegenüberliegenden Café Paris frisch gebackene Baguettes holen, die für die Kanapees verwendet werden. Eine schöne Situation immer wieder. Man kommt schön schick angezogen ins Café, läuft nach hinten, um den Laden nur kurze Zeit später mit ein paar Baguettes unterm Arm, die noch warm sind, zu verlassen. Gäste, denen dies auffällt, schauen schon etwas irritiert.

Zurück im Löwen wies mir Herr Kappes meine Aufgaben für diesen Tag zu: „Du machst Tür, Floor und Küche und ich mache Drinks!“ Oha, das heißt übersetzt, dass ich die Gäste begrüße, die Garderobe weghänge, Wasser bringe, Bestellungen aufnehmen, Drinks bringe, Wasser nachschenke, neue Drinks bringe, abräume, spüle, Kanapees mache. Schon allein der Gedanke daran setzte mich leicht unter Stress. Aber zum Glück fing es langsam an und die ersten Gäste kamen herein. Ganz locker anfangen, das wird schon. Dann kam gleich eine Vierergruppe rein und schon waren 6 Gäste da und später dann nochmal 2. Es war so voll – ich war wie unter Strom.

Hierhin laufen, da platzieren, dann Wasser, nach der Karte fragen, Drinks bringen. Gleichzeitig die Küche in Ordnung halten, 12 Kanapees machen und die benutzten Shaker und Rührgläser von Mario wegspülen. Objektiv betrachtet wirklich nicht viel, aber mich hat das schon gestresst. Mario hat mir dann mal in einer ruhigen Minute, die wir genug hatten, ich aber nicht wahrnehmen konnte, ein paar Tricks und Tipps zur eigenen Organisation gezeigt und schon mit diesen wenigen Handgriffen ging es viel leichter und einfacher die Übersicht zu behalten und vor allem die Küche in Ordnung zu halten, bzw. die Unordnung einfach in geordnete Bahnen laufen zu lassen.

Langsam stellte sich Entspannung ein. Die Gäste im Löwen sind sehr entspannt und außerordentlich freundlich. Sie freuen sich über die angebotene Hilfe und bestellen gern den einen oder anderen Drink und lassen sich auch gern beraten. Ich muss mich wohl noch ein bisschen eingewöhnen, dann wird mir vieles viel leichter fallen und ich auch entspannt durch den Löwen laufen, ohne, dass Herr Kappes hinter dem Tresen lachen muss, weil Du total verkrampft und steif da rumtanzt. Bloß, weil ich gerade stehe, wenn ich mich im Gastraum bewege und nicht eine der Schwerkraft folgende entspannte Haltung einnehme…

Leider verließen uns die letzten Gäste schon sehr früh (noch vor halb 2 Uhr war es wieder leer im Löwen), aber so konnten wir schon langsam mit dem Abbau, spülen und Eis auffüllen beginnen. Da genug Zeit war, konnten wir auch schon das komplette Mis en Place für den nächsten Tag machen und uns so etwas Zeit kaufen, die wir entspannter später kommen konnten. Zitronen pressen, Müll wegbringen, Küche aufbauen, Früchte an die Bar räumen und die Eiswannen füllen und schon ist das Le Lion wieder einsatzfähig. Aber selbst wenn so früh nichts mehr los ist, bis 3 Uhr sieht es für neu eintreffende Gäste immer so aus, als sei alles bereit für sie Drinks zu machen und man bemerkt nichts, dass schon so langsam der Feierabend eingeläutet wird.

Der Feierabenddrink war an diesem Abend nicht das sonst übliche Bier, sondern für mich aus einigen Tropfen eines fantastischen Rums. Als großer Freund des Zacapa XO und 23 überwältigte mich der Zaya geradezu. So voll und komplex im Geschmack – es war eine Freude die Zunge damit zu benetzen. Herr Kappes sagte sehr treffend: Das ist fast wie ein Old Fashioned in der Flasche. Wer zufällig mal eine Hand an eine solche Flasche bekommen sollte, der greife zu und bringe mir am Besten auch gleich eine mit. Leider wird der zurzeit nicht in Deutschland verkauft.

Musik beim Tippen: Eric Burdon & Brian Auger Band – Access All Areas/Live

Die erste Woche geht zu Ende

Wenn dieser Artikel erscheint bin ich auf dem Weg zur Samstagsschicht im Löwen. So viel ist passiert in der ersten Woche. Der Kopf ist voll von grandiosen Erinnerungen und vielen lustigen Episoden, von denen ich versuche hier ein paar wiederzugeben. Manche Dinge sind einfach zu gut, als dass sie hier öffentlich werden können – leider.

Im letzten Beitrag hatte ich ja schon vom Zitronen pressen gesprochen geschrieben. Herr Meyer hat davon ein Foto gemacht und es ins Facebook eingestellt. Dass darauf einige Kommentare folgten, war natürlich klar und meine Haupttätigkeit in den folgenden Tagen bestand natürlich daraus Zitronen zu falten pressen… Am Freitagabend – ich arbeitete zum ersten Mal mit Herrn Kappes und Herrn Meyer zusammen – klingelte es an der Tür und es war an mir zu öffnen. Davor stand eine Gruppe von Gästen und der zuvorderst stehende Herr begrüßte mich mit den Worten: „Ich kenne Sie, Sie sind doch der, der die Zitronen falsch presst!

Wer schon einmal Gast im Le Lion war, der weiß, dass man klingeln muss, damit einem Einlass gewährt wird. Sitzt man drinnen bei einem der fantastischen Cocktails, die Herr Kappes rührt, shaked und swizzelt (Also ich brauch keinen Swizzelstick, das kann mein Shaker auch!), bemerkt man nicht, woher die Crew weiß, dass jemand vor der Tür steht. Hier nur das Geheimnis: Es gibt einige versteckte rote Lichter, die leuchten, wenn der Knopf gedrückt wurde. Es bringt übrigens nichts, wenn man Sturm klingelt oder den Knopf wiederholend malträtiert. Das Licht geht einmal an und bleibt an. Nicht ganz so versteckt ist das Licht in der Küche. Plötzlich leuchtet die gerade angerichtete Käseauswahl in schönstem rot. Das ist der Moment, an dem ich in Absprache mit den Herren einen kurzen Sprint zur Tür einlege oder unbeeindruckt weitermache.

Sitzt man dann am Tresen und spricht mit dem Bartender, schaut dieser manchmal zur Seite nach unten. Das liegt nicht daran, dass ihn das Gesprächsthema total langweilt und er kurz einnickt, sondern daran, dass sich genau dort ein kleiner Monitor befindet auf dem das Bild der Kamera gezeigt wird, die sich draußen über der Tür befindet. Dort kann man sehen, wenn sich Gäste nähern, oder Neugierige einmal das Klingelschild anschauen wollen oder den Löwen anfassen betrachten. Eines Abends konnte Herr Kappes den Blick gar nicht von dem Monitor lassen und bat mich dann kurz vor die Tür zu gehen und der Maus da Bescheid zu geben, dass sie bitte woanders hingehen sollte. Gleich würden nämlich Gäste den Laden verlassen und das wäre doch etwas unpassend. Ich stellte mich auf eine mäßig angenehme verbale Kommunikation ein und ging zur Tür, öffnete sie und niemand war zu sehen. Hat er mich jetzt auf den Arm genommen? (Aber so etwas würde der sehr ernste und seriöse Herr Kappes doch nie tun!) Ist sie von alleine gegangen? Nachdem die Gäste also den Laden verlassen hatten, zeigte er mir auf dem Monitorbild, was er gesehen hatte. Die Maus hatte behaarte Beine und gleich vier davon. Sie hatte wohl gehört, dass es hier gute Drinks und tollen Käse gibt.

Ist ein Abend im Löwen am Ende. Wenn also alles geputzt und aufgefüllt ist für den nächsten Tag, ist es Zeit für ein Feierabendgetränk. In einer solch tollen Bar würde das bestimmt ein wunderbarer ganz feiner Drink sein, der erst in Monaten auf die Karte käme hier schon mal vorverkostet würde, dachte ich mir vorher. Nein! Zum Feierabend trinken wir ein Bier und auf wenig anderes habe ich dann auch Lust. Ok, am ersten Abend war es ein Schluck Sipsmith Gin pur und als Gin & Tonic, aber seitdem – ein kühles Bierchen in einem vorgefrostetem Glas. Sehr lecker und man kann noch ein bisschen plaudern und den Abend ausklingen lassen. Das Beste am Feierabend ist, wie auch schon in der Orientierbar: Die Musik ist aus. :-)

Noch so viel mehr gibt es aus den heiligen Hallen zu berichten, weswegen in den nächsten Tagen an dieser Stelle ein weiterer Eintrag erscheinen wird. Wer aber alle kleinen Details erleben möchte, muss wohl Herrn Meyer eine Email schicken und sich selbst bewerben.

Was wollte Ihr hier lesen? Gibt es Fragen, die Euch auf den Nägeln brennen und ich unbedingt mal beantworten? Schreibt es in die Kommentare oder mir einfach eine Email. Ich versuche dann darauf einzugehen.

Bis dahin freue ich mich dem einen oder anderen Leser gern mal die Tür im Löwen zu öffnen, wenn ich nicht gerade Käseauswahl mache oder Zitronen korrekt presse.

Musik beim Schreiben heute: Pink Floyd – Dark Side of the Moon

Die erste Nacht im Löwen

Genug Vorgeschichte, jetzt geht es endlich los mit den geheimen Geschichten aus dem Löwen. Herr Meyer hatte mir gedroht, dass dadurch, dass ich hinter die Kulissen des Löwen schauen würde, ein bisschen der Zauber verschwinden würde, denn dahinter sei es nicht so wie vorne.

Als ich um 18Uhr angekommen bin, war Mario Kappes schon da und öffnete mir nach kurzem Klingeln die Tür. Drinnen war das Le Lion im Putzlicht und sah … so aus wie immer. Bei genauem Hinsehen fiel mir auf, dass es heller war als sonst. Aber was ganz anders war ist, dass Herr Kappes keinen Anzug trug sondern Jeans und T-Shirt. Und ich dachte, dass er sogar im Anzug schlafen würde :-)

Das Mis en Place war schon fast fertig und so hatten wir Zeit, dass er mich dahinter herumführen konnte. Als erstes sind wir in die geheimen Katakomben hinabgestiegen und haben den Vorratskeller angesehen. Le Lion Style, zwar keine Tapeten an den Wänden und auch der Teppichboden fehlt, aber sehr aufgeräumt und wirklich gut sortiert. So sollte es mal bei mir zu Hause aussehen. Die Befürchtung, dass irgendjemand das Le Lion leer trinken könnte, hat Mario gut wiederlegen können. Der für mich prall gefüllte Alkoholvorrat sei fast leer und über den Sommer deutlich ausgedünnt. So nennt man das also, wenn so viel Gin da ist, dass Herr Meyer fast darin baden könnte. Wer weiß – vielleicht macht er das?

Nach einem kurzen Rundgang durch die Küche, in der ich einen Teil des Abends verbringen würde, erschien Jörg Meyer im Laden und wir wurden vor Dienstbeginn zum Abendessen eingeladen. Zurück im Löwen, durfte ich im Keller erst einmal die leeren Flaschen sortieren. Cola zu Cola und Perrier zu Perrier – sehr gut, das bekomm ich schonmal hin. Umziehen und dann ging es oben los.

Im Anzug arbeiten ist schon etwas Feines. Mir geht es jedenfalls so, dass ich gleich etwas gerade stehe und alles hat eine gewisse Eleganz. Im Anzug Zitronen zu pressen, ist hingegen nicht ganz so praktisch. Nachdem ich einige gepresst hatte, kam Herr Meyer in die Küche und erklärte mir, dass ich die Zitronen falsch pressen würde. Die Zitronen falsch pressen? Ich hatte sie weder falsch rum eingelegt noch den Saft auf die Arbeitsplatte laufen lassen. Torben Bornhöft, der mittlerweile auch erschienen war und in zivil meinen ersten Abend erleben wollte, lachte sich kaputt, weil er wohl wusste, was jetzt kommen würde. Es folgte ein gefühlt dreistündiger Vortrag, dass man Zitronen nicht zu fest pressen dürfte, weil sonst die bitteren Öle aus der Schale im Saft landen würden und das möchte man ja nicht. Meyer schrieb dazu einen Beitrag in seinem Blog.

Die ersten Gäste trafen ein und Torben erklärte mir die Abläufe in der Küche und in der Bar im Allgemeinen, Brot holen nebenan im Cafe de Paris inklusive. Mit mal eben in Zivil zurücklehnen und schauen, wie die anderen aufgeregt umherlaufen wurde es nichts. Denn kurze Zeit später kam die erste Bestellung für eine „Käseauswahl“ rein. Also 2 Teller nehmen, Schälchen drauf, Käse auf den einen und Preiselbeeren und Feigensenf in die Schälchen, Brot dazu, Obst dazu (wo sind eigentlich die Weintrauben?) und raus damit. Servieren an den Tisch da hinten in der Ecke (die Tischnummern erklär ich Dir später). Es sprach sich wohl rum, dass die Käseauswahl sehr gut sei, denn wir durften noch weitere machen und dazu noch einige „Häppchen“. Am nächsten Tag sollte ich den Spitznamen Cheesebert erhalten.

Shaker und Strainer hinter der Bar abholen und Spülen, dann alles wieder zurück bringen, so ging es weiter. Irgendwie war es schon etwas stressig für mich und ich war sehr froh, dass Torben da war und ich ihn fragen konnte. Später habe ich dann auch den Gästen die Tür geöffnet und versucht sie zu platzieren und das erste Wasser gebracht. Dass man dabei direkt nach dem ersten Drinks fragt oder die Karte anbietet, wurde mir glücklicherweise auch gleich erklärt. So oft war ich dann doch noch nicht im Löwen, dass ich das schon wusste.

Die erste Bestellung, die ich entgegennehmen durfte waren zwei Prince of Wales Cocktails. Langsam wurde ich routinierte, schenkte Wasser aus und räumte auch die Tische ab, wenn ich das nicht übersah und Herr Kappes mich freundlich darauf aufmerksam machte, ob ich nicht auch Tisch 30 mal leerräumen möchte.

Einen Gast, der mehrfach zum Rauchen draußen gewesen war begrüßte ich jedes Mal, als wäre er neu gekommen. Zum Glück nahm er es mir nicht übel, schien aber etwas belustigt. Ja, ich habe es dann auch gemerkt… Am Ende des Abends hatte sich in der Küche eine ordentliche Menge Gläser gesammelt, die alle gespült und poliert werden wollten und in meinem Kopf sammelte sich eine erkältungsbedingte Migräne. Keine gute Kombination. So habe ich mich langsam und gemächlich durch alles Geschirr gekämpft und am Ende sah die Küche wieder sehr schön aus.

So ging der erste Abend im Löwen zu Ende und ich war sehr froh und erschöpft, spät am Abend zu Hause in mein Bett zu fallen und zu schlafen.

Anreise und Rum & Fun

Nach viereinhalb Stunden Autofahrt bin ich in der Hansestadt angekommen und konnte den Schlüssel zu meiner Unterkunft abholen. Nachdem ich alles hoch getragen hatten in den dritten Stock in meine kleine gemütliche Wohnung, in der ich gut einen Monat unterkommen werde, wurde zuerst die Kaffeemaschine Nespresso in Betrieb genommen.

Leider hatte ich vergessen, wo genau Rum & Fun stattfinden würde, so rief ich kurz meinen zukünftigen Löwenkollegen Torben Bornhöft an, um genau dies zu fragen. Er hatte mir freundlicherweise kurz vor meiner Abreise seine Handynummer gegeben, nur für den Fall, dass irgendwas sei – und genau das war es. Er sagt mir, dass er mit seinen Kollegen vom Trinklaune-Blog vor der Veranstaltung kurz Sushi essen gehen würde und fragte, ob ich mitkommen möchte. Na klar!

Wir trafen uns vor dem Streits Kino und gingen direkt in einen Sushi Laden in der Nähe. Die Mengen, die dort verspeist wurden, kann ich hier nicht beschreiben, aber es war mehr als eine ausreichende Grundlage für den Abend der kommen sollte.

Zurück im Streits Kino musste man durch diverse Hintertüren, über einen Hof und denn noch 3 Gänge lang und wieder Treppen hoch, bis man zur Eventlocation gelangt war. Diese war wunderbar dekoriert und karibisch Klänge drangen sofort ins Ohr. Drinnen war es heiß, viele trugen Hawaii Hemden und Drinks machten die Runde. Marcel Baumann stand hinter dem Tresen und mixte einen Drink nach dem anderen in wunderbaren Tiki Mugs. Ich läutete den Abend gemeinsam mit Oliver Steffens (ebenfalls von Trinklaune) mit einem Mai Tai ein. Sehr lecker und mit angenehm viel Rum.

An diesem Abend traf ich viele neue und alte Gesichter aus der Barszene und wurde immer wieder darauf angesprochen, dass ich ja der Neue Commis im Löwen sei. Mit Herrn Kappes besprach ich kurz, dass wir uns am nächsten Tag um 18Uhr im Löwen treffen, dann Mis en place machten und den Abend vorbereiten würden.

Die Jungs von Forgotten Flavourshatten in den letzten Wochen an einem Pimento Dram gearbeitet, der an diesem Abend Premiere hatte. Ein sehr gelungenes Produkt. Sehr rund und toll im Geschmack. Wieder eine Flasche mehr in meinem neuen Schrank, der schon zu voll ist, aber das muss ich unbedingt kaufen, wenn es da ist. Es wurde extra ein Drink dafür kreiert, den ich natürlich auch probieren musste.

In der Nacht konnte ich noch einige Aufnahmen machen, die in einer der nächsten Folgen des Zen Tiki Lounge Podcasts erscheinen werden. Aber erstmal muss ich mir anhören, was wir da so aufgesprochen haben.

Nach einigen weiteren Drinks und spannenden Gesprächen machte ich mich langsam auf den Heimweg. Leider bin ich in den falschen Nachtbus eingestiegen und etwas in die falsche Richtung gefahren. Zum Glück habe ich es rechtzeitig gemerkt und bin dann den Rest nach Hause gelaufen. Was ein schöner Einstand in Hamburg und selbst das schlechte Hamburger Wetter war sehr freundlich zu mir und zeigte sich von der sonnigen Seite.

Am nächsten Morgen wusste ich beim Auswachen direkt, was die Beschreibung „sehr helle Wohnung“ in der Anzeige bedeuten sollte. Gefühlt mitten in der Nacht war die Sonne aufgegangen und sorgte für viel Licht in meiner Unterkunft.

Den Tag verbrachte ich mit der Erkundung der Umgebung und einem kleinen Mittagsschlaf, von dem ich aber den Kollegen nicht berichten darf, da kleine Kinder sowas angeblich verhindern würden.

Gegen 17 Uhr packte ich meine Sachen ein und machte mich auf den Weg zu meinem ersten Abend im Löwen…

Nur noch wenige Tage

Plötzlich hatte ich einen Job in Hamburg und musste mich schleunigst auf Wohnungssuche begeben. Aber wo bekommt man denn mal eben in möbliertes Zimmer für einen Monat und das nur wenige Tage bevor der Monat los geht. Zum Glück konnte mir da Twitter helfen und empfahl die Webseite von www.wg-gesucht.de. Nach einigen Telefonaten und Emailkorrespondenzen erhielt ich 5 Tage vor der Abreise die erlösende Email:

Ich bin bei den Besichtigungen durch, wenn Sie wollen, können Sie die Wohnung haben.

Sehr gut! Ich hatte eine Wohnung gemietet, die ich vorher nicht gesehen hatte und von der ich auch sonst außer der Adresse, ein paar Bildern und einer kurzen Beschreibung im Internet nichts kannte. Naja, egal für einen Monat wird das schon gehen. Der Stadtteil in dem ich wohnen sollte, nennt sich Rotherbaum und dort scheint laut Google Maps die Uni in der Nähe zu sein. Zu Fuß sind es 30 Minuten zum neuen Arbeitsplatz – aber wer weiß, wie lange ich arbeite, vielleicht fahren da ja schon wieder die ersten Busse und U-Bahnen.

Die nächste Frage war für mich: Was nehme ich mit? Einen Monat in Hamburg, Waschmaschine vorhaben – gut. Ich sollte mich dem Kleidungsstil im Löwen natürlich bestmöglich anpassen, weswegen Anzüge und Hemden auf jeden Fall ins Gepäck gehören. Dazu normale Klamotten für 4 Wochen, naja mit der Waschmaschine dann halt ein paar Sachen weniger. Laptop sollte dabei sein, denn so einen Blog auf dem Handy zu tippen, ist etwas mühsam. Also war schon da klar, dass ich mit dem Auto hochfahren würde. Als nächstes musste natürlich die Nespresso eingepackt werden, wie sollte ich sonst morgens wach werden? Laufsachen – das ist nicht verkehrt, obwohl Senior Kappes mich wohl genug laufen lassen wird… Das Fahrrad bleibt zu Hause. Die Triathlon-Saison ist damit für beendet erklärt. Badehose muss aber sein – als Hesse stelle ich mir vor, dass das Meer ja nicht weit weg ist und ich bestimmt baden gehen möchte. Notiz an mich: Schon mal nen Blick auf den Kalender geworfen? Das Meer ist KALT! Ich werde berichten, ob ich das es trotzdem geschafft habe das Meer zu sehen und hineinzugehen.

Nach einem kurzen Triathlon-Wettkampf am Sonntagnachmittag habe ich angefangen meine Sachen zusammen zu packen und wie so oft bedrängt einen das Gefühl, dass man irgendwas vergessen hat. Hier angekommen ist mir aufgefallen, dass Espresso ohne Zucker doch etwas bitter ist – für mich jedenfalls. Außerdem wäre es nicht verkehrt gewesen auch ein kleines Handtuch mitzunehmen, das man ins Bad hätte hängen können.

Beim Blick auf meine jetzt neu aufgebaute Heimbar überkam mich etwas Wermut die ganze Flaschen hier zu Hause lassen zu müssen. Vielleicht sollte ich eine mitnehmen. Nur so als Sicherheit, falls jemand das Le Lion leer trinkt. Die Wahl fiel dann aufgrund des Blogbeitrags „Bailoni-Wachauer Gold-Marillenlikör- GSA Produkt August ´10“ von Olaf Wüstenhagen im Bartender Labor auf den Marillen Hausschnaps, den mein Cousin in Österreich entdeckt hatte. Ich werde Olaf in Hamburg bestimmt über den Weg laufen und wir werden eine Verkostung durchführen.

Am Montag den 30. August setzte ich mich gegen Mittag in mein Auto und machte mich auf den Weg in die Hansestadt. Denn für diesen Abend hatte der ehemalige Löwe Marcel Baumann zu Rum & Fun eingeladen, was ich als eine schöne Einstimmung für meinen Monat Hamburg fand.

Wie kommt man an diesen Job?

Als klar war, dass ich diesen Job bekommen würde und ich im Internet gepostet hatte, dass ich nach Hamburg gehen würde, um den Herren Meyer und Kappes einen Monat lang über die Schulter zu schauen und Mis en place a la Le Lion zu erlernen, wurde ich öfter gefragt, wie man denn an diesen Job kommt. Die einfache Antwort ist: Fragen! Der Herr Meyer ist ein sehr netter Mensch und wenn man ihn lieb fragt antwortet er auch lieb.

Ich kann mir aber vorstellen, dass eine gewisse Vorgeschichte in Bezug auf Bar allgemein und das Le Lion im speziellen in meinem Fall durchaus hilfreich gewesen ist. Ob es wirklich so war, kann aber nur der Chef selbst beantworten.

Wie im letzten Blog schon geschrieben, hatte ich das große Glück seit einiger Zeit in der Orientierbar in Hofheim arbeiten zu dürfen. Dort konnte ich erste Erfahrungen sammeln, wie es ist hinter einem echten Tresen zu stehen. In dieser Zeit habe ich viel gelernt. Besonders so Dinge wie, dass alle Gäste gefühlt immer gleichzeitig ihre Drinks bestellen und, dass gemütliches Drink zu Hause machen für den echten Einsatz doch etwas langsam ist. Dankenswerterweise durfte und darf ich mich langsam an die nötige Geschwindigkeit ran tasten.

Von einigen Besuchen in Hamburg – immer verbunden mit Le Lion – Besuchen – kannte ich Herrn Meyer schon und wir haben bei der einen oder anderen Feier im Löwen schon sehr nett über Drinks und den Rest der Welt geplaudert. Von einigen Mitarbeitern im Löwen habe ich gehört, dass sie zuerst Gäste dort waren und irgendwann dann die Seite gewechselt haben und sich hinter dem Tresen wiedergefunden haben. Besuche im Löwen waren für mich immer etwas Besonderes (bei über 500km Anreise, kein Wunder).

Im August hat Herr Meyer in seinem Blog eine Fiktive Stellenanzeige für das Le Lion veröffentlicht. Er sucht darin einen Auszubildenden zur Bar für ein Jahr. Leider konnte ich mir es nicht erlauben ein Jahr Urlaub zu nehmen, aber ein Monat würde drin sein, habe ich nach vorsichtigem Vorfühlen bei meinem Arbeitgeber herausgefunden.

So schrieb ich dann eine Email und bekam kaum 90 Minuten später eine positive Antwort. Ich dürfe vom 01.09. bis 30.09. als „Commis de Connaisseurs de Le Lion“ arbeiten. Da musste ich erst mal durch die Wohnung hüpfen und mir – direkt nachdem ich meinerseits zugesagt habe – einen Gin Basil Smash machen. Dieser Abend wurde dann noch etwas länger und ich genoss einen Löwendrink nach dem anderen.

Jetzt hatte ich noch ungefähr 14 Tage Zeit, keine Unterkunft in Hamburg, aber einen Job…

Einen Monat im Le Lion

Bis zur ersten Veröffentlichung eines Podcasts hier auf dieser Seite, werde ich sie als Blog nutzen, um über meinen Monat im Le Lion zu berichten. Ich habe nämlich die wunderbare Möglichkeit erhalten als „Commis de Connaisseurs de Le Lion“ in dieser grandiosen Bar zu arbeiten.

In den nächsten Tagen und Wochen möchte ich hier davon berichten, wie es ist, dort mit den Löwen arbeiten zu dürfen und wie es sich anfühlt auf der anderen Seite dieses berühmten Tresens zu stehen. Der Leser wird erfahren, wie sich Herr Meyer vor und nach dem Dienst verhält – naja, die jugendfreien Teile jedenfalls oder wie Herr Kappes seinen Commis durch die Katakomben des Löwen scheucht auf der Suche nach der letzten Flasche eines seltenen Elixiers. Oder so ähnlich jedenfalls.

In den nächsten Artikeln werde ich zuerst davon erzählen, wie man – bzw. ich – an diesen Job gekommen bin. Außerdem möchte ich kurz davon berichten, wie die letzten Tage und Wochen waren. An was man denken muss und was ich vergessen habe mitzunehmen…

Herr Meyer hat mich vor 2 Tagen gefragt, wie ich in die Cocktail-Nerd Schiene – er nennt es immer Connaisseur Schiene – abgedriftet bin. Meine Antwort möchte ich hier in Ausschnitten wiedergeben, um meinen Cocktailhintergrund zu erklären.

Die richtige Cocktailwelt eröffnete sich für mich erst vor gut 2,5 Jahren. Vorher reichte es allenfalls für einen Gin & Tonic im Urlaub mit dem günstigen Gin vom Penny Markt („man schmeckt da doch keinen Unterschied!“) oder immer wieder Caipis, weil ich den mochte und warum sollte man was Neues probieren? Einem Freund von mir, der schon immer eine Bar aufmachen wollte, haben wir zum Geburtstag einen eintägigen Cocktailkurs im örtlichen Sausalitos geschenkt und sind mitgekommen, um das selbst zu erleben. Bei diesem Kurs hatten wir wirklich Glück einen tollen Lehrer erwischt zu haben, der uns neben Caipi-Produktion auch andere Drinks und Geschmäcker beigebracht hat. Da waren sogar schon Drinks mit Rosmarin und so dabei.

Im Anschluss an diesen Kurs habe ich mir dann die ersten Baruntensilien wie Shaker und Strainer gekauft. Dazu ein paar Gläser und zwei, drei Flaschen Alkohol (z.B. Absolut Peppar, Old Pascas 73). Tja, und dann fing ich an im Intranet zu suchen nach Rezepten und fand plötzlich ein Forum von Cocktailnerds, die über nichts anderes reden, als das neue Hobby. Einige Freunde (darunter aber nicht der, dem wir den Kurs geschenkt haben) sprangen mit auf diesen Zug auf und wir bestellten gemeinsam immer größere Mengen bei Barfish, Barstuff oder anderen. Wir lasen immer mehr im Intranet und trafen uns, um die neuesten Drinks zu versuchen und irgendwie wurde die Liebe zu den klassischen Drinks immer größer. Diverse Barbesuche, natürlich irgendwann auch im Löwen, und spannende Gespräche mit Bartendern und anderen Gästen prägten meinen Geschmack und die Drinks, die ich gern trinke und mir zu Hause „nachkoche“.

Während dieser Zeit wollte ich immer mal hinter einer echten Bar stehen dürfen und echten Gästen Drinks machen. So war ich sehr froh, dass eine in Hofheim ansässige Bar (Orientierbar) einen Bartender für 1-2 Abende die Woche suchte. Den Chef der Bar hatte ich kurz vorher bei einem Event kennen gelernt und mich dann spontan beworben und wie nichts stand ich plötzlich hinter dem Tresen. Irgendwie wollten die Gäste aber nicht das trinken, was ich so gerne machen wollte. Manhatten? Old Fashioned? Eher nicht. Pina Colada, Cuba Libre und literweise Vodka Red Bull. Dazu Espresso machen, Cola aus schenken und Tee kochen. (Ich möchte hier nicht negativ über die O-Bar schreiben, sondern nur zum überspitzt zum Ausdruck bringen, dass ich mit den völlig falschen Erwartungen dort angefangen habe!) Hinter einen echten Bar stehen ist doch etwas anderes, als zu Hause mit Cocktailnerds zu sitzen und zu überlegen, welchen Bitter man zu diesem Rum in den Old Fashioned tropfen sollte oder gemeinsam viermal hintereinander ein Robert Hess Video anzuschauen. Die Arbeit dort machte mir viel Spaß, besonders, wenn diese magischen Abende sind, an denen plötzlich Gäste am Tresen sitzen, die sonst nur Bier trinken, aber heute in Experimentierstimmung sind. Die überraschten Gesichter zu sehen, wenn sie ihren ersten Old Fashiond, Ti Punsh oder einen Padovani trinken. Oder wenn Gäste wiederkommen und nochmal den Drink „mit der großen Eiskugel“ haben wollen. Jetzt weiß ich, was es so besonders macht, hinter dem Tresen zu stehen.

Das soll es fürs erste gewesen sein. Ich freue mich über Kommentare und Bemerkungen. In den nächsten Tagen werde ich weiter berichten.