Einen Monat im Le Lion

Bis zur ersten Veröffentlichung eines Podcasts hier auf dieser Seite, werde ich sie als Blog nutzen, um über meinen Monat im Le Lion zu berichten. Ich habe nämlich die wunderbare Möglichkeit erhalten als „Commis de Connaisseurs de Le Lion“ in dieser grandiosen Bar zu arbeiten.

In den nächsten Tagen und Wochen möchte ich hier davon berichten, wie es ist, dort mit den Löwen arbeiten zu dürfen und wie es sich anfühlt auf der anderen Seite dieses berühmten Tresens zu stehen. Der Leser wird erfahren, wie sich Herr Meyer vor und nach dem Dienst verhält – naja, die jugendfreien Teile jedenfalls oder wie Herr Kappes seinen Commis durch die Katakomben des Löwen scheucht auf der Suche nach der letzten Flasche eines seltenen Elixiers. Oder so ähnlich jedenfalls.

In den nächsten Artikeln werde ich zuerst davon erzählen, wie man – bzw. ich – an diesen Job gekommen bin. Außerdem möchte ich kurz davon berichten, wie die letzten Tage und Wochen waren. An was man denken muss und was ich vergessen habe mitzunehmen…

Herr Meyer hat mich vor 2 Tagen gefragt, wie ich in die Cocktail-Nerd Schiene – er nennt es immer Connaisseur Schiene – abgedriftet bin. Meine Antwort möchte ich hier in Ausschnitten wiedergeben, um meinen Cocktailhintergrund zu erklären.

Die richtige Cocktailwelt eröffnete sich für mich erst vor gut 2,5 Jahren. Vorher reichte es allenfalls für einen Gin & Tonic im Urlaub mit dem günstigen Gin vom Penny Markt („man schmeckt da doch keinen Unterschied!“) oder immer wieder Caipis, weil ich den mochte und warum sollte man was Neues probieren? Einem Freund von mir, der schon immer eine Bar aufmachen wollte, haben wir zum Geburtstag einen eintägigen Cocktailkurs im örtlichen Sausalitos geschenkt und sind mitgekommen, um das selbst zu erleben. Bei diesem Kurs hatten wir wirklich Glück einen tollen Lehrer erwischt zu haben, der uns neben Caipi-Produktion auch andere Drinks und Geschmäcker beigebracht hat. Da waren sogar schon Drinks mit Rosmarin und so dabei.

Im Anschluss an diesen Kurs habe ich mir dann die ersten Baruntensilien wie Shaker und Strainer gekauft. Dazu ein paar Gläser und zwei, drei Flaschen Alkohol (z.B. Absolut Peppar, Old Pascas 73). Tja, und dann fing ich an im Intranet zu suchen nach Rezepten und fand plötzlich ein Forum von Cocktailnerds, die über nichts anderes reden, als das neue Hobby. Einige Freunde (darunter aber nicht der, dem wir den Kurs geschenkt haben) sprangen mit auf diesen Zug auf und wir bestellten gemeinsam immer größere Mengen bei Barfish, Barstuff oder anderen. Wir lasen immer mehr im Intranet und trafen uns, um die neuesten Drinks zu versuchen und irgendwie wurde die Liebe zu den klassischen Drinks immer größer. Diverse Barbesuche, natürlich irgendwann auch im Löwen, und spannende Gespräche mit Bartendern und anderen Gästen prägten meinen Geschmack und die Drinks, die ich gern trinke und mir zu Hause „nachkoche“.

Während dieser Zeit wollte ich immer mal hinter einer echten Bar stehen dürfen und echten Gästen Drinks machen. So war ich sehr froh, dass eine in Hofheim ansässige Bar (Orientierbar) einen Bartender für 1-2 Abende die Woche suchte. Den Chef der Bar hatte ich kurz vorher bei einem Event kennen gelernt und mich dann spontan beworben und wie nichts stand ich plötzlich hinter dem Tresen. Irgendwie wollten die Gäste aber nicht das trinken, was ich so gerne machen wollte. Manhatten? Old Fashioned? Eher nicht. Pina Colada, Cuba Libre und literweise Vodka Red Bull. Dazu Espresso machen, Cola aus schenken und Tee kochen. (Ich möchte hier nicht negativ über die O-Bar schreiben, sondern nur zum überspitzt zum Ausdruck bringen, dass ich mit den völlig falschen Erwartungen dort angefangen habe!) Hinter einen echten Bar stehen ist doch etwas anderes, als zu Hause mit Cocktailnerds zu sitzen und zu überlegen, welchen Bitter man zu diesem Rum in den Old Fashioned tropfen sollte oder gemeinsam viermal hintereinander ein Robert Hess Video anzuschauen. Die Arbeit dort machte mir viel Spaß, besonders, wenn diese magischen Abende sind, an denen plötzlich Gäste am Tresen sitzen, die sonst nur Bier trinken, aber heute in Experimentierstimmung sind. Die überraschten Gesichter zu sehen, wenn sie ihren ersten Old Fashiond, Ti Punsh oder einen Padovani trinken. Oder wenn Gäste wiederkommen und nochmal den Drink „mit der großen Eiskugel“ haben wollen. Jetzt weiß ich, was es so besonders macht, hinter dem Tresen zu stehen.

Das soll es fürs erste gewesen sein. Ich freue mich über Kommentare und Bemerkungen. In den nächsten Tagen werde ich weiter berichten.

2 Gedanken zu “Einen Monat im Le Lion

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